Ernst Homberger

(5. Juli 1869 - 13. Januar 1955)

Nachdem Ernst Homberger die Schulen in St. Gallen, Zürich und Neuchâtel (Handelsschule) besucht hatte, absolvierte er seine Lehrjahre in Zürcher und Londoner Handels- und Bankhäusern. Anschliessend war er in Westindien bei einer Bank tätig. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz, trat er im Jahre 1896 in den Dienst der noch im Aufbau befindlichen Krafübertragungswerke Rheinfelden, wo er innert kürzester Zeit zum Prokuristen und Leiter der Buchhaltung aufstieg.

Ernennung zum Generaldirektor

Im Jahre 1902 nahm Ernst Homberger seine Tätigkeit als kaufmännischer Direktor von Georg Fischer auf, wo ihm 1907 der neu geschaffene Titel "Generaldirektor" verliehen wurde. Von den Banken als Manager ins Unternehmen geholt, wurde Ernst Homberger bald auch Mitbesitzer der Georg Fischer. Als er im Jahre 1903 die Tochter des Johannes Rauschenbach - Maschinen- und Uhrenfabrikanten in Schaffhausen - heiratete, wurde er Hauptaktionär der Maschinenfabrik Rauschenbach, die 1921 von Georg Fischer übernommen wurde. Im Jahre 1923 wählte die Generalversammlung Ernst Homberger zum Mitglied des Verwaltungsrates, dessen Delegierter er damit gleichzeitig wurde. Von 1929 bis 1954 hatte er das Amt des Verwaltungsratspräsidenten inne und wurde im Jahre 1954 zum Verwaltungsratsehrenpräsidenten gewählt.

Ernst Homberger gehörte zu den führenden Schweizer Industriellen mit Verwaltungsratsmandanten in Industrie (u.a. Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik, Bindfadenfabrik Flurlingen, Salmenbräu Rheinfelden), Banken (u.a. Schweizerischer Bankverein) und Versicherungen (Baloise). Darüber hinaus nahm er eine Reihe von weiteren Mandaten wahr; von 1932 bis 1947 war er Bankrat der Nationalbank und in verschiedenen Verbänden der Maschinenindustrie und Fittingbranche im In- und Ausland tätig. Zusätzlich führte Ernst Homberger seit 1929 die Schaffhauser Uhrenfabrik IWC als Alleininhaber durch schwierige Zeiten. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Ernst Homberger zum Dr. h.c. der Handelshochschule St. Gallen und zum Ehrenbürger von Schaffhausen ernannt.

Unternehmerischer Weitblick

Zu den Verdiensten von Ernst Homberger gehörte auch der weitere Ausbau der sozialen Einrichtungen bei Georg Fischer. Nach der Schaffung zahlreicher Wohnkolonien in Schaffhausen und Singen, gründete er im Jahre 1919 eine Angestellten-Pensionskasse und im Jahre 1927 die Homberger-Stiftung zur Förderung einer Berufsausbildung der Kinder von Werkangehörigen. Nebst dem Einsatz von Ernst Homberger im sozialen Bereich, baute er das Unternehmen Georg Fischer ständig weiter aus. Seit der Übernahme der Maschinenfabrik Rauschenbach im Jahre 1921 war GF auch im Maschinenbau und im Grauguss tätig. In den 1920er-Jahren erweiterte die Maschinenfabrik Rauschenbach die LKW-Räder-Produktion und nahm die Herstellung von Giesserei- und Werkzeugmaschinen auf. Weiter gründete Ernst Homberger im Jahre 1933 die Britannia Iron and Steel Works Ltd. in Bedford und trieb so die Expansion des Unterrnehmens nach England voran. Mit diesen Zukäufen kam es ansatzweise zu einer Konzernbildung. Der eigentliche Ausbau zum Weltkonzern erfolgte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als Ernst Homberger bereits im Ruhestand war.