Georg Fischer I

(14. Juli 1804 - 3. Oktober 1888)

Nach dem Schulbesuch in Schaffhausen und dem Besuch des Polytechnischen Instituts in Wien übernahm Georg Fischer I 1827 im Alter von nur 23 Jahren die Leitung des in Hainfeld gegründeten Werkes. Er wurde von seinem Vater mit fünf Prozent an der Fabrik beteiligt, deren Wert auf 10'000 Gulden geschätzt wurde. Die restlichen 95 Prozent, die beim Vater verblieben, musste der Sohn verzinsen. Dafür hatte er Anrecht auf einen Drittel des Gewinns. 1833 kaufte Georg Fischer I das Unternehmen, das aus der Gussstahlhütte im so genannten Auwerk, der Feilenfabrik im Dorf und einer Spindelfabrik in Traisen (Niederösterreich) bestand, in der später sein Bruder Berthold (1807-1879) eine Temper- und Stahlgiesserei betrieb. 1835 wurde das Werk Hainfeld an der österreichischen Gewerbeprodukte-Ausstellung mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet. Der Ausstellungsbericht hob lobend hervor, dass die Bestellungen auf Fischers Erzeugnisse in kurzer Zeit so zugenommen hätten, dass er sich 1833 bereits in der Lage gesehen habe, die Fabrikanlagen von Hainfeld durch Ankauf eines Hammerwerks in Traisen bei Lilienfeld zu erweitern. Standortentscheidend für das Engagement im benachbarten Traisen waren die vorhandene Wasserkraft und die Tatsache, dass Georg I das Holzkohlenroheisen aus einem Gusswerk in der Nähe beziehen konnte. In Traisen wurde der Gussstahl zu Spinnmaschinenspindeln für die Baumwollindustrie ausgeschmiedet.

Industriell vernetzt

Georg Fischer I vernetzte sich auch bald mit den lokalen Industriellen. 1833 heiratete er in erster Ehe Seraphine Reiter, die Tochter des Sensenschmiedemeisters Leopold Reiter in Opponitz. Die blühende Sensenindustrie der Region war für J. C. Fischer ein Grund gewesen, hier ein Werk zu eröffnen. 1854 erbte Fischer die Schaffhauser Werke von seinem Vater und begann 1855 mit einer umfassenden Reorganisation und Modernisierung dieser stillliegenden Betriebe. Das eigene Unternehmen in Hainfeld leitete in dieser Zeit sein Sohn Georg Fischer II. Die Reorganisation der Werke war bereits Ende der 1850er Jahre abgeschlossen. 1864 verkaufte Fischer die Schaffhauser Werke an seinen Sohn Georg Fischer II. 1856 beschäftigte Hainfeld bereits mehr als 150 Arbeiter. Viele davon aus dem Stammhaus in Schaffhausen. Als Georg Fischer 1886, schon über 80 Jahre alt, die Verlegung seiner Wiener Verkaufsniederlassung anzeigte, die er mit einer „Feilenumtausch-Anstalt“ ergänzt hatte, erzeugte seine „Tiegel-Gussstahlwaren-Fabrik“ „alle Sorten Tiegel-Gussstahl gewalzt, gehämmert in Stäben und Blechen“. In seinem Angebot hatte Georg Fischer I Hämmer, Ambosse, Walzen, Scheren, Bohrer, Meissel, Gewindeschneidzeuge, Schraubstöcke, Schraubenschlüssel, Windenstäbe, „alle Gattungen Maschinen-Messer“, Feilen, Raspeln und Sägen, und er pries sich auch für das „Aufhauen abgenützter Feilen“ an. Diese Produktpalette glich über weite Strecken dem traditionellen Angebot von Schaffhausen, das inzwischen aber durch neue Erfolgsartikel ergänzt worden war. Georg Fischer I leitete das Werk in Hainfeld bis zu seinem Tod im Jahr 1888.