Georg Fischer III

(12. September 1864 - 19. Januar 1955)

Nach der Schule in Schaffhausen schrieb sich Georg Fischer III zunächst an der Universität Genf ein. Anschliessend absolvierte er eine praktische Ausbildung in Wasseralfingen (Schwaben), wo er die Tempergussherstellung erlernte. Nach der Ausbildung begann Georg Fischer III ein Ingenieurstudium an der Mechanischen Abteilung des Königlich Sächsischen Polytechnikums in Dresden, wo er unter anderem Vorlesungen in Maschinenbau, Metallurgie und Chemie besuchte. Sein Studium musste er jedoch nach drei Semestern abbrechen, da sein Vater starb und er die Leitung des Unternehmens übernehmen musste.

Ausbau der Fittingfabrikation

In seiner neuen Tätigkeit widmete sich Georg Fischer III dem Ausbau der von seinem Vater hinterlassenen Geschäftsgrundlagen und Entwicklungspläne. Bereits im Jahre 1888 entschloss er sich, die Fabrikation der Feilen einzustellen, um das Fabrikareal für die Erweiterung der Fittingfabrikation zu verwenden. Das vordere Schmiedwerk wich einer neuen Fittinggiesserei, das mittlere Werk - eine stillgelegte Feilenhauerei - einer Gewindeschneiderei für die Fittings. Um das Stahlformgussverfahren auf eine neue Grundlage zu stellen, erweiterte Georg Fischer III im Jahre 1890 das vordere Werk um eine Stahlgiesserei mit einem Siemens-Martin-Ofen. Dadurch konnte er die Werke nicht nur stark ausdehnen, sondern auch die Qualität verbessern, und so dem rasch steigenden Stahlgussbedarf der Elektrizitätsindustrie und der Eisenbahnen gerecht werden. Bereits im Jahre 1889 lieferte Georg Fischer III Lokomotivräder aus Stahlguss und im Jahre 1890 Polräder aus Martin-Stahlguss an die Maschinenfabrik Oerlikon sowie an die AEG in Berlin.
Die Belegschaft, die im Jahre 1887 noch 183 Personen umfasste, wurde innerhalb von neun Jahren infolge der Betriebsvergrösserung mehr als verdreifacht; das Personal setzte sich neu zusammen aus 552 Mitarbeitenden. Die Dimensionen eines mittleren Unternehmens waren damit definitiv überschritten. Bis zur Jahrhundertwende stieg die Anzahl der Beschäftigten weiter auf über 1600 Personen.

Die Branche boomt

Konjunkturell hatte Georg Fischer III mehr Glück als sein Vater. Mitte der 1880er-Jahre setzte ein langfristiger Aufschwung ein, der - von kurzen Einbrüchen abgesehen - bis zum Ersten Weltkrieg andauerte. Zusätzlich zum weiteren Infrastrukturausbau und dem Aufkommen des Verbrennungsmotors waren vor allem die neuen Branchen Elektrotechnik und Chemie Triebkräfte dieses Aufschwungs. Im Jahre 1895 eröffnete Georg Fischer III eine Fittingfabrik im benachbarten Singen. Dieses Vorhaben hatte bereits sein Vater im Auge gehabt. Hauptgrund dafür waren die deutschen Zölle, die damals auch andere Schweizer Firmen veranlassten, sich im südbadischen Grenzgebiet niederzulassen. Hinzu kam, dass in den 1890er-Jahren zunehmend Tempergussfittings deutscher Konkurrenten auf dem Markt erschienen.

Um dem steigenden Kapitalbedarf entgegenzuhalten, wandelte Georg Fischer III im Jahre 1896 sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Gleichzeitig trieb er den Ausbau verschiedener sozialer Einrichtungen wie Alterszulagen, Speisehallen und umfangreiche Werkswohnungsbauten voran. Zudem setzte er im Jahre 1898 die erste Arbeiterkommission ein. Im Jahre 1901 unterbrach eine Überkapazitäts- und Überproduktionskrise den Aufschwung. Von dieser Krise wurde auch das Unternehmen nicht verschont und der Absatz sank rapide. Zu dieser Zeit kam es im Verwaltungsrat zu offenen Konflikten und im Jahre 1902 wurde Georg Fischer III von den Banken aus der Unternehmensleitung gedrängt. Er setzte sich allerdings nicht zur Ruhe, sondern war weiter in der Industrie tätig. Im Jahre 1907 führte Georg Fischer III das Elektrostahlgussverfahren (Heroult) in der Schweiz ein und gründete Elektrostahlwerke in Schaffhausen, die er 1917 an GF verkaufte.


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