Reinhold Reith

Arcana artis? Wissens- und Technologietransfer im frühneuzeitlichen Handwerk


Ferrum 86/2014

Der Beitrag geht aus von kontroversen Einschätzungen, welche Rolle der Wissens- und Technologietransfer im frühneuzeitlichen Handwerk gespielt hat. Die neuere Forschung geht von einem deutlich höheren Ausmass an Migration in der frühneuzeitlichen Gesellschaft aus, daher stellt sich auch die Frage nach dem Wissens- und Technologietransfer im Kontext von Migrations- und Wanderungsprozessen. Im Vordergrund steht hier die Frage, was die Migration der Gesellen für den Transfer von Know-how bedeutete. Dazu sind – zugespitzt – zwei Positionen formuliert worden: Die «skeptische(n) Thesen zum Bildungswert der Walz» gehen davon aus, dass die Arbeitsmärkte der Frühen Neuzeit nicht frei, sondern durch eine Einschränkung der Kontraktfreiheit geprägt waren, und sehen Barrieren der Diffusion zum Schutz von Qualitäten und Verfahren geradezu als Charakteristikum dieser Märkte, sodass der Migration kaum Bedeutung für den Transfer von Know-how beigemessen wird. Eine optimistischere Position skizziert zunächst einmal Arbeitsmarkt und Migration im Gewerbe, geht dann von den zeitgenössischen Diskursen um die «Nützlichkeit» der Wanderschaft aus und argumentiert mit Blick auf Wanderrouten, bevorzugte Standorte und der Wanderschaft Johann Conrad Fischers für eine Perspektive, den Erwerb von «skills» im Sinne von Arbeits- und Lebenserfahrung in den Vordergrund zu stellen.


The article centres around the controversial discussions on the role played by knowledge and technology transfer in early modern society. Recent research suggests a much higher level of migration in early modern society, which raises the question of knowledge and technology transfer in the context of migration and travel processes. The issue addressed is the impact of the migration of journeymen on the transfer of know-how. To put it simply, two positions have been formulated: the “sceptical theses of the educational value of journeying” proceed on the assumption that the labour markets of early modern times were not free, but were rather determined by a restricted freedom of contract; they see diffusion barriers for the protection of qualities and techniques as being virtually typical of these markets. Migration, therefore, is considered to be of little importance to the transfer of know-how. A more optimistic position first looks at the labour market and migration in trades, and, on the basis of contemporary discourse on the “usefulness” of the journeyman years, argues, taking into account Johann Conrad Fischer’s routes, preferred locations and the journeys, in favour of a perspective that foregrounds the acquisition of “skills”, i. e. work and life experience.


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