Sebastian Haumann

Die Materialität der Industrialisierung: Kalkstein als 'kritischer Rohstoff', 1850-1930

Sebastian HaumannSebastian Haumann im Lesesaal der Eisenbibliothek

Kurzportrait  

Institut für Geschichte, Technische Universität Darmstadt, Deutschland

Aufenthalt in der Eisenbibliothek: September 2015

Habilitationsprojekt

"Die Materialität der Industrialisierung: Kalkstein als 'kritischer Rohstoff', 1850-1930"

Abstract

In der europäischen Industrialisierung war die Eisen- und Stahlherstellung der gesellschaftsprägende Leitsektor, für den neben Steinkohle und Eisenerzen vor allem Kalkstein eine wichtige Rolle als „kritischer Rohstoff“ spielte. „Kritische Rohstoffe“ sind für die Herstellung von Produkten unabdingbar, die die gesellschaftliche Entwicklung prägen. Dass über den Rohstoff Kalkstein trotz seiner Bedeutung nur wenig bekannt ist, liegt daran, dass er sich herkömmlichen Ansätzen der Wirtschafts- und Technikgeschichte weitgehend entzieht. Ihm wurde weder ökonomische Relevanz beigemessen, noch war er Gegenstand technischer Debatten. Gleichwohl prägte er die Entwicklung der Eisen- und Stahlherstellung durch seine „Materialität“ und wurde in diesem Prozess zum unabdingbaren Bestandteil der Herstellungsverfahren. Mit der Umstellung von Holzkohle- auf Kokshochöfen wurde Kalkstein in die Eisenerzverhüttung integriert und ab den 1870er Jahren in das Thomasverfahren zur Stahlherstellung eingesetzt. In beiden Fällen waren es die physikalischen Eigenschaften des Stoffes, die die neuen Technologien und Wirtschaftsbeziehungen mit-konstituierten. Als konstitutiver Bestandteil der Herstellung von Eisen und Stahl wurde Kalkstein zum „kritischen Rohstoff“ der Industrialisierung.

<zurück