GF Automotive: Beitrag zur CO2-Reduktion

27.09.2007 10:30

Alle zwei Jahre im Herbst steht mit der Internationalen Automobil- Ausstellung (IAA) das Auto im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Hunderttausende drängen sich dann in Frankfurt um ihre automobilen Träume. Im Bewusstsein verankert hat sich das Auto jedoch nicht nur, weil es zum Inbegriff der Mobilität geworden ist, sondern auch, weil es dazu beiträgt, das ökologische Gleichgewicht zu beeinträchtigen. Besonders mit dem beim Fahren anfallenden Kohlendioxid (CO2).

Die Reduzierung des CO2-Ausstosses ist denn auch ein wichtiges Ziel im Automobilbau geworden. Zur Entstehung tragen viele bei: Haushalte ebenso wie Industriebetriebe, Kraftwerke, die Landwirtschaft und der Verkehr. In Deutschland etwa entfallen auf den Pkw-Verkehr zwölf Prozent, also rund ein Achtel, des gesamten CO2-Ausstosses. In der Schweiz verursachen die Pkw etwa 24 Prozent der Emissionen. Autos gehören damit zwar nicht zu den Hauptverursachern des Treibhauseffekts, dennoch ist es sinnvoll und notwendig, ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Zudem nimmt die Motorisierung weltweit weiter zu.

Bis 2012 soll deshalb innerhalb der Europäischen Union der CO2-Ausstoss pro Auto durchschnittlich nicht mehr als 120 Gramm betragen – das sind rund 30 Prozent weniger als heute. Ein ehrgeiziges Ziel, zu dem auch Georg Fischer Automotive mit innovativen Lösungen beitragen kann. Dies zeigte die grösste Unternehmensgruppe innerhalb des Georg Fischer Konzerns am Technology Day 2007 vor Finanzanalysten und Journalisten in Schaffhausen auf.

Technische Lösungen ergänzen verantwortliches Fahren

„Der wirkungsvollste Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses erfolgt über eine zurückhaltende Fahrweise“, betonte Ferdinand Stutz, Leiter von GF Automotive, im Gespräch mit den Besuchern des Technology Days. „Doch darauf haben weder die Automobilhersteller noch wir einen Einfluss.“ Fachleute schätzen, dass sich dadurch der CO2-Ausstoss um rund ein Drittel verringern lässt.

Hinzu kommen viele technische Optionen, die in Summe ebenfalls zu erheblicher Reduktion des CO2-Ausstosses führen können. Zu nennen sind etwa verbesserte Motoren und neue Antriebe (Reduktion um circa zehn Prozent), mehrstufige, länger übersetzte Getriebe (rund sechs Prozent) sowie die Start-Stopp-Automatik, die Rückgewinnung der Bremsenergie und eine elektrische Lenkung (je drei Prozent). Mit zwei Prozent schlägt der Leichtbau zu Buche, und um jeweils ein Prozent reduzieren Leichtlaufreifen und eine windschlüpfrigere Karosserie den CO2-Ausstoss.

Beitrag von GF Automotive

Ausgehend von seinen Kernkompetenzen im Werkstoff-Know-how, den Giessverfahren und den gegossenen Komponenten aus Eisen und Leichtmetall ist der Einfluss von GF Automotive beim Leichtbau in Antrieb, Fahrwerk und Karosserie am grössten. Konkret besteht der innovative Beitrag von GF in neuen Werkstoffen wie den Werkstoff-Familien SiboDur und SiMo 1000 oder in neuartigen Giessverfahren wie LamiCast und den daraus resultierenden Produkten.

Was das bedeutet und was schon gemacht wird, erläuterte Beat Ruckstuhl, Leiter Forschung und Entwicklung von GF Automotive, den Teilnehmenden bei einem Werkstattbesuch. Zu sehen war dabei auch der neue Audi A5, ein Sportcoupé, für den das Unternehmen acht Bauteile fertigt. Die Ingolstädter setzen bei ihren Autos zwar überwiegend auf Aluminium, schätzen aber dort, wo hohe Kräfte und Momente wirken und nur ein relativ kleiner Bauraum zur Verfügung steht, weiterhin auf Eisenguss „made by Georg Fischer“.

„Das wird auch so bleiben“, versicherte Ruckstuhl. „Aluminium ist ein interessanter, leistungsfähiger und viel versprechender Werkstoff, aber keine Allzweckwaffe für Antrieb, Fahrwerk und Karosserie. Die Mischbauweise unter Verwendung verschiedener Werkstoffe dominiert weiterhin den Automobilbau. Heute und in Zukunft.“ Hierfür ist GF Automotive mit den Werkstoffen Eisen, Aluminium und Magnesium sowie den Verfahren Sandgiessen, Druckgiessen und Kokillengiessen bestens gerüstet, wie die bisherigen Anwendungen und die Marktdurchdringung zeigen.

Werkstoff-Know-how als Kern-Kompetenz

Obwohl Eisen seit rund 6 000 Jahren von Menschen verwendet wird, sind die Möglichkeiten für die mit diesem Rohstoff realisierten Legierungen noch nicht ausgeschöpft. Das beweist unter anderem die von GF patentierte Werkstoff-Familie SiboDur. Diese Legierung eignet sich hervorragend für hoch beanspruchbare Bauteile des Fahrwerks und zur Substitution geschmiedeter Bauteile. Der aus SiboDur gefertigte Radträger für den Golf wurde kürzlich als überzeugende und wegweisende Entwicklung mit dem Volkswagen Group Award 2007 ausgezeichnet. Vor zwei Jahren präsentierte GF Automotive SiboDur am Technology Day 2005 als Entwicklungsprojekt. Heute liegen Kundenaufträge im beträchtlichen Umfang vor, hinzu kommen aktuelle Entwicklungsprojekte im Auftrag der Fahrzeughersteller. Dies zeugt vom ernormen Marktpotential dieses innovativen Werkstoffs und eröffnet zusätzliche Perspektiven für Leichtbau mit Eisenguss. Mit der Werkstoff-Familie SiMo 1000 legte die Unternehmensgruppe nun nach. Der neue Werkstoff glänzt mit überragenden Eigenschaften bei hohen Temperaturen. Dem Gusseisen mit Kugelgrafit werden unter anderem Silizium und Molybdän beigemischt. Die Legierung wiedersteht dadurch Temperaturen bis nahezu 1000 Grad und erfüllt die Andorderungen an moderne Abgaskrümmer und heutige Emissionsvorschriften. Der Werkstoff erschliesst neue Einsatzgebiete. SiMo 1000 eignet sich besonders als kostengünstige Alternative für thermisch hoch beanspruchbare Bauteile des Antriebs und zur Substitution von hoch legiertem Gusseisen oder geschweissten Abgaskrümmern. Auch dieser Werkstoff ist im Markt bereits anerkannt und stösst bei neuen Entwicklungsprojekten mit den Kunden in der Automobilindustrie auf sehr grosses Interesse.

LamiCast: Beruhigter Guss

Ein erfolgreicher Marktstart gelang GF Automotive im laufenden Jahr auch mit dem neuartigen Giessverfahren LamiCast. In der Bezeichnung LamiCast steckt das Wort laminar, das ein wesentliches Produktions-Merkmal charakterisiert. Beim LamiCast-Giessverfahren fliesst das flüssige Eisen nicht mehr wie bisher von oben nach unten in die Form, sondern von unten nach oben. Das ermöglicht nahezu wirbelfreies Giessen. Das Gegenteil von laminar nennen Techniker turbulent. Beat Ruckstuhl demonstrierte beide Phänomene sehr eindrucksvoll mit dem Füllen eines Bierglases mit Weizenbier: Beim gleichmässigen Einschenken füllt sich das Glas bis zum Rand mit einer ansprechenden Schaumkrone; beim weniger gleichmässigen Einschenken jedoch schäumt das Bier und das Glas läuft über, noch bevor es voll ist.

Das Verfahren ermöglicht, besonders dünnwandig zu giessen, dadurch wiegen die Bauteile weniger als bislang. LamiCast eignet sich ausgezeichnet für grossflächige Aluminium-Gussbauteile wie Ölwannen oder Hilfsrahmen der Vorder- und der Hinterachse. Diese Vorteile hat der Markt bereits erkannt. Gestützt auf vertraglich zugesicherte Kundenaufträge erstellt GF Automotive nun die notwendigen Fertigungskapazitäten in seinem Werk in Garching bei München (Deutschland).

Gut gerüstet für die Zukunft

„In dem Masse, in dem die Automobilindustrie den Nutzen unserer neuen Werkstoffe und Verfahren für den Leichtbau erkennt, müssen wir unsere Kapazitäten ausweiten, um der Nachfrage gerecht zu werden“, freute sich Ferdinand Stutz in seinem Eröffnungsreferat. Und: „Die Innovationspipeline ist gut gefüllt und ermöglicht ein kräftiges Wachstum.“ Das durchschnittliche Wachstum lag in den letzten drei Jahren bei über fünf Prozent und im ersten Halbjahr 2007 währungsbereinigt bei zehn Prozent. Das Produktionsvolumen von GF Automotive liegt heute bei über 110 Millionen Bauteilen pro Jahr; dafür werden rund 600 000 Tonnen Guss benötigt.

Die Unternehmensgruppe mit ihren 13 Produktionsstandorten, 5 600 Mitarbeitern und drei Entwicklungszentren erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 1,93 Milliarden Schweizer Franken. GF Automotive ist in Europa die unangefochtene Nummer eins ihrer Branche und rangiert weltweit unter den Top 100 der Automobilzulieferer. Hauptabnehmer der Entwicklungs- und Fertigungsleistungen sind mehrheitlich Unternehmen aus Deutschland, doch unterstreicht die Gruppe mit dem Betrieb eigener Leichtmetallgiessereien in Suzhou (China) und Montreal (Kanada) sowie dem Bau einer Eisengiesserei in Kunshan (China) den Anspruch, global tätig zu sein und global liefern zu können.

Neues Forschungszentrum in Schaffhausen

Um seine Position als anerkannter Entwicklungspartner für Fahrwerk, Antrieb und Karosserie weiter auszubauen, errichtet GF Automotive am Standort Schaffhausen bis 2009 ein neues Forschungszentrum. Die damit verbundenen Investitionen belaufen sich auf rund 25 Millionen Schweizer Franken. Der geplante Neubau ersetzt das heutige „Zentrallabor“ im Mühlental. Mit dem Ausbau unterstreicht Georg Fischer die Absicht, Wettbewerbsvorteile durch eigene Innovationen in der Werkstoffentwicklung und in der Produkt- und Verfahrenstechnik langfristig zu sichern. Im Zuge der Erweiterung sollen in den nächsten Jahren in Schaffhausen rund 25 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.


Zurück

Kontakt

Beat Römer
Leiter Externe Kommunikation
Georg Fischer AG
Amsler-Laffon-Strasse 9
8201 Schaffhausen
Schweiz

beat dot roemer #at# georgfischer dot com