"Ich sehe meine Aufgabe als Brückenbauerin, die die bereichsübergreifende Zusammenarbeit stärkt, um Innovationen voranzutreiben."

"Design Thinking hilft uns dabei, den Kunden kontinuierlich in den Innovationsprozess miteinzubeziehen," sagt Lea Im Obersteg. Sie ist seit 2018 Design Thinking Champion bei GF. Mit ihrer Stelle und mithilfe von Design Thinking will GF seine Innovationkraft und Kundenorientierung stärken.

Im Interview mit dem Magazin Changement erklärt Lea Im Obersteg, was ihre Arbeit besonders macht.

Erst mal zum Hintergrund: Weshalb ist Innovation wichtig für GF?

Als Schweizer Industrieunternehmen müssen wir uns bei GF über den Mehrwert und innovative Lösungen für unsere Kunden von der Konkurrenz abheben. Um die Innovationskraft zu stärken, hat die Geschäftsleitung von GF 2016 Design Thinking als strategische Initiative lanciert. Der systematische, iterative und kollaborative Ansatz hilft uns bei GF, früh die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden zu identifizieren, um darauf aufbauend innovative Lösungen zu entwickeln. Wir bei GF verstehen Design Thinking auch als Mindset, denn durch die Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse können alle GF-Mitarbeiter/-innen einen Beitrag zur Innovationsfähigkeit der Organisation beisteuern.

Weshalb setzt GF auf Design Thinking, um Innovation zu fördern?

Design Thinking hilft uns dabei, den Kunden kontinuierlich in den Innovationsprozess miteinzubeziehen. Noch vor der Eruierung der technologischen Machbarkeit oder der finanziellen Attraktivität beginnt ein Design-Thinking-Projekt mit dem Verstehen der Herausforderungen und Probleme unserer Kunden. Um sicherzustellen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, testen wir erste Ideen nach dem Prinzip „Fail fast to succeed sooner“: Wir wollen früh Fehler machen und daraus lernen, um schneller erfolgreich zu sein. So kann beispielsweise ein erster Prototyp aus Karton wertvolle Erkenntnisse liefern. Wir beobachten die Reaktionen auf den Prototyp und die Handhabung und leiten daraus Hinweise ab, welche in die Entwicklung unserer Lösungen miteinfliessen.

            "Wir wollen früh Fehler machen und daraus lernen, um             schneller erfolgreich zu sein."

Was ist die Aufgabe eines Design Thinking Champion?

In der Rolle als Design Thinking Champion begleite ich Design-Thinking-Projekte oder helfe durch Trainings beim Wissensaufbau. Ganz nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ möchten wir den Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit geben, sich in einer Community auszutauschen und ihre Erfahrungen zu teilen. Ich sehe meine Aufgabe als Brückenbauerin, die die bereichsübergreifende Zusammenarbeit stärkt, um Innovationen voranzutreiben. Unser Kernteam arbeitet eng mit den Teams aller drei Divisionen zusammen und gemeinsam testen wir neue Wege der Kollaboration. In meiner täglichen Arbeit stelle ich fest, dass die Offenheit für Veränderungen kein Generationen- oder Altersthema ist. Menschen, die seit mehr als 20 Jahren bei GF arbeiten, sind begeistert von der neuen Arbeitsweise. Ich sehe die intrinsische Motivation als grossen Treiber für Innovation.

Was muss man für solch eine Tätigkeit mitbringen?

Offenheit und Neugierde für unterschiedliche Menschen und Situationen helfen bestimmt. Letztes Jahr habe ich beispielsweise in China Design-Thinking-Trainings durchgeführt. Da meine Mutter aus Taiwan stammt, konnte ich durch das Verständnis der Kultur auf Bedürfnisse und Fragen vertieft eingehen und selbst wiederum vieles lernen. Fachvokabular wie „Prozessverbesserung“ oder „Innovationsstärke“ musste ich mir vor meiner Reise nach China jedoch zuerst noch aneignen!

Was macht besonders viel Freude an der Rolle?

Es gefällt mir, dass jede Woche anders aussieht. Da kann es sein, dass wir ein mehrtägiges internes Training durchführen oder auch mal Kundeninterviews zum Beispiel bei Wasserversorgern unterstützen. Die Zusammenarbeit mit inspirierenden Menschen aus der ganzen Welt ist ebenfalls etwas Besonderes. In meiner Rolle habe ich die Möglichkeit, Kolleginnen aus Schweden oder Indien mit den Kollegen aus Sissach oder Amerika zusammenzubringen, um Synergien zu schaffen. Dazu nutze ich ebenfalls die Design-Thinking-Methode. Früh Formate zu testen und von anderen zu lernen ist mein tägliches Ziel.

Ausblick: Was macht ein Design Thinking Champion in 20 Jahren?

Idealerweise gibt es meine Rolle in der Form nicht mehr. Wenn die Grundhaltung des Design Thinking ein Teil der Unternehmens-DNA geworden ist, haben wir als Team unsere Arbeit erfüllt und können uns neuen, noch unvorhersehbaren Herausforderungen widmen.

Dieses Interview erschien am 28. April 2019 in der Sonderausgabe 03 Innovation 2019 der Zeitschrift Changement. 

 

Kurz erklärt: Design Thinking

Design Thinking ist eine Innovationsmethode, die von der Stanford Universität und der Designagentur IDEO mitgeprägt wurde. Teams mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen arbeiten entlang eines fest definierten Prozesses in iterativen Schleifen. Dabei stehen die Wünsche und Bedürfnisse des Nutzers im Vordergrund, der zunächst intensiv befragt und beobachtet wird. Anschliessend werden dem Nutzer frühestmöglich Prototypen zur Verfügung gestellt, damit sein Feedback bei der Weiterentwicklung berücksichtigt werden kann.

Design-Thinking-Training at GF Casting Solutions in Suzhou, China

 

 

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